Von Kambodscha nach Vietnam

Montag, 02.12.2019

Sooo,

Der letzte Monat dieses unglaublichen Jahres hat begonnen und ich befinde mich gerade in meinem vorletzten Land für 2019. Ich kann es kaum glauben, dass ich in Anfang des Jahres noch jeden Tag mit Ski fahren in Kanada verbracht habe, es kommt mir wie eine kleine Ewigkeit vor.

Den letzten Eintrag hatte ich ja von den 4000 Inseln in Laos geschrieben, mehr als in der Hängematte liegen und einer Kayaktour haben wir aber auch nicht gemacht. Manche Orte sind zum "Nichtstun" wie geschaffen. Nach 3.5 Wochen Laos war ich bereit, das Land hinter mir zu lassen. Mit 4 anderen Backpackern haben wir uns dann schließlich entschieden, weiterzureisen und wir machten uns auf dem Weg ins Nachbarland Kambodscha. Glücklicherweise verlief das Überschreiten der Grenze mehr oder weniger problemlos. Man wird vor Ausreise Laos aufgefordert, 1 $US für den Stempel im Reisepass zu bezahlen. Jeder weiß, dass es sich hierbei um Korruption handelt, aber wenn man mit den Grenzbeamten nicht ewig hin und her diskutieren will zahlt man eben den Dollar und zieht weiter. Ein französisches Pärchen hatte sich aber entschieden, in die Offensive zu gehen und wollte die Korruption keineswegs unterstützen ( ist ja verständlich, aber leider zum Leid aller anderen). Wir mussten echt lange auf sie warten, da sie Teil unserer Busgruppe waren, Letztendlich setzten sie aber ihren Willen durch und bekamen die Reisepässe ohne Stempelgebühr zurück. Diese von der Regierung gesteuerten,korrupten Grenzen sind der beste Beweis dafür, dass es es sich bei diesen Ländern noch um Entwicklungsländer handelt.  Auch auf der kambodschanischen Seite gab es bis vor Kurzem noch ein sogenanntes Medizinzelt, wo einem für 2 $US u.a. die Temperatur gemessen wurde. Auch eine reine Tourifalle.  Wenn man es nicht besser wusste und einfach an den Offizieren vorbeiläuft (was Mut kostet) wäre man auch hier der Korruption zum Opfer gefallen.

Um auf die 4000 Inseln zu kommen musste man es erstmal  über Sandsäcke und Holzstege zum Boot schaffen; die Sonnenuntergänge waren spektakulär (vorallem wenn man sie von der Hängematte des eigenen Bungalows sehen konnte)

Im Niemandsland zwischen Laos und Kambodscha ( man läuft ca. 300m von Grenze zur Grenze)

Jedenfalls sind wir nach ein paar weiteren Stunden in der Stadt "Siem Reap" angekommen, es war schon dunkel und wir staunten, wie viel auf den Straßen los war. Menschen und Lichter, laute Musik und das Hupen des Verkehrs begrüßten uns. Später erfuhren wir, dass es der letzte Abend des Wasserfestivals sei, die Stadt befindet sich also im Ausnahmezustand. Überall waren Wassersprenger aufgebaut und die Straßen standen unter Wasser. Aufjeden Fall hat es Spaß gemacht, den Locals beim Feiern zuzusehen (wir waren nicht wirklich für den Anlass gekleidet..) 

Die Straßen von Siem Reap gefüllt mit fröhlichen, nassen Locals (Hintergrund des Festes ist übrigens die jährliche Überflutung eines Sees, welches zur erfolgreichen Ernte/ Fischen beiträgt)

Ein Highlight und absolutes Must-Do in dieser Gegend ist Angkor Wat, die größte Tempelanlage der Welt. Nach bereits 7 Wochen Asien hatte ich ja den einen oder anderen Tempel schon gesehen, aber Angkor War war anders, wirklich ein riesiges Königreich. Wir haben einen ganzen Tag die verschiedenen Ruinen und Tempel besucht und trotzdem nur einen kleinen Teil gesehen. Mit $35 Eintritt ist es zwar sehr teuer, aber ich denke man muss es gesehen haben! ( Fun Fact: In Kambodscha zahlt man alles in US Dollar, da der Riel, die eigene Währung, zu schwach ist).

Angkor Wat ist für mich ein Ort, den man nicht in Bildern beschreiben kann, ich habe daher auch gar nicht so viele gemacht.. Manche erkennen die Gegend vielleicht aus dem Film "Tomb Rider", die Szene wurde genau bei der Mauer mit der Wurzel gedreht

 

Außerdem habe wir eine Floating Village besucht, die kleinen Siedlungen am und um den See herum sind auf Holzstützen gebaut. Unsere Bootsführerin war zur Abwechslung mal eine Frau, begleitet von ihrer Tochter. Normalerweise sind die Rollen hier klar verteilt und die Frauen sieht man meistens nur im Restaurant oder auf dem Markt. Die Floating Village war beeindruckend, es zeigt wirklich wie kreativ Menschen "in Not" sind.

Egal wie authentisch es wirkt, irgendwann kommt von irgendwo wer her und probiert dir etwas zu verkaufen (so z.B. per Wassertaxi mitten auf dem See) 

Für mich ging es dann weiter südlich, die Insel ruft. Es gibt zwei berühmte Inseln in Kambodscha, ich hatte mich für die etwas kleinere, entspannte Insel Koh Rong Samloem entschieden. Mit dem Nachtbus fuhr ich zuerst 10h südlich nach Sinhoukville, eine von den Chinesen kontrollierte Stadt, die als 3. Schlimmste in ganz Südostasien bewertet wurde. Es kam mir auch weniger wie eine Stadt und mehr als Industriegebiet vor. Überall sind Baustellen, Ruinen, Müll, Hektik.. Gut, dass ich von da aus nur die Fähre bis ins Paradis nehmen musste.. Mein Hostel hatte kein Wlan was zur Abwechslung wirklich schön war, keiner guckte auf´s Handy und die Stimmung unter den Backpackern war wirklich gut. Wir waren natürlich hauptsächlich am Strand, haben eine Tagesausflug zur anderen Seite der Insel gemacht, abends gab es Feuershows und natürlich das ein oder andere Bier. Das Zimmer war zur Meerseite hin offen für einen tollen Ausblick, dafür kam der Dschungel aber auch persönlich vorbei (z.B. in Form eines 30cm von der Decke fallendem Gecko!)

Erst mit der Fähre, dann mit einem Boot ging es zum privaten Strand des Hostels.. Glasklares Wasser und Ruhe nur 1h entfernt von der grauen Stadt

Da ich während des Inselaufenthalts meine Visabestätigung für Vietnam erhalten habe (man muss sich vorher online bewerben) machte ich mich auf den Weg zu meinem letzten Stop in Kambodscha, die Hauptstadt Phnom Phen. Hier wollte ich noch in das berühmte S21-Gefängis und zu den Killing Fields, um mehr über die traurige Geschichte des Landes zu erfahren. Von 1975 bis 1979 herrschte die Roten Khmer unter Paul Pot und wollten einen kommunistischen Bauernstaat einführen, was zwischen 1-2 Millionen Menschen das Leben kostete. Kaum vorstellbar, dass das gerade mal 40 Jahre her ist! Aus der touristischen Perspektive ist es den Kambodschanern heute aber wenig anzumerken, sie sind so freundlich und hilfsbereit. Auch wenn die Kommunikation aufgrund sprachlicher Barrieren oft gering ist, ist ihre Lebensfreude ansteckend.

In fast jedem Ort gibt es einen Nachtmarkt, wo neben Klamotten und Souvenirs auch Essen verkauft wird. Der perfekte Ort zum Abendessen

Beim Warten auf die Wäsche: Gesellschaft von einem kleinen Mädchen und ihrem Welpen, den sie mir in den Arm drückte

Der "Killing Tree" ,welcher unter der Herrschaft Paul Pots zum Erschlagen von Kindern und Babys genutzt wurde. Momente, die einen sprachlos machen und an die eigene Landesgeschichte erinnern lassen

Am nächsten Morgen verabschiedete ich mich von diesem wunderschönen Land mit dem Gewissen, eines Tages mit mehr Zeit wiederzukommen um noch mehr zu entdecken. Zu keinem Zeitpunkt habe ich mich unsicher gefühlt, auch wenn viele an der Sicherheit dieser Gegend zweifeln. Solange man sich gegen aufdringliche TukTuk fahrer zu wehren weiß und auf seine Sachen achtet, passiert eigentlich nichts (zumindest nichts, was nicht auch in anderen Städten dieser Welt passiert..)

Und dann ging es in das Land, was schon ewig ganz oben auf meiner Liste stand! Vietnam. 4 Wochen hatte ich Zeit, von Süden nach Norden zu reisen. Dabei wollte ich auf der einen Seite soviel wie möglich sehen und unternehmen, auf der anderen Seite aber auch an einem Ort ankommen und besser erkunden. Geplant hatte ich wie immer nichts bis auf die erste Nacht im Hostel.

Zu meiner Überraschung stieg ich in Phnom Phen dann in den Bus und traf Ieuan, einen Engländer, dem ich zuvor schon mehrere Male über den Weg gelaufen bin (erstmals in Laos).  Das passiert hier echt oft, man trifft Leute aus voherigen Hostels/Bussen etc. wieder, auch wenn man sie das letzte Mal vor Wochen gesehen hat! Letztendlich leben wir doch in einer sehr kleinen Welt!!

Nach 5h Busfahrt und einem weiteren Grenzübergang sind wir in Ho Chi Minh angekommen und der erste Eindruck war überwältigend. In einer Stadt mit 8 Millionen Menschen und 8.5 (!) Millionen Motorrädern ist das Chaos ja vorprogrammiert, dazu kommt das ständige Hupen, welches hier als Hauptkommunikationsmittel gilt (scheinbar als "Danke fürs Vorbeilassen", "Pass doch auf du Idiot", " Aaaaachtung, ich komme von links, nicht ausscheren" und " hey, es scheint gerade zu ruhig hier, hup ich doch mal"). Das Straße-Überqueren hat hier ein ganz neues Level erreicht. Ho Chi Minh hieß früher Saigon und im Hinblick auf den Vietnamkrieg, welcher ja auch noch nicht allzu lange her ist, gab es sehr viel über das Land und seine Geschichte zu lernen.

Im Hostel angekommen trafen wir schnell auf andere Reisende, die am Ende ihrer Vietnamreise angekommen sind und uns alles über ihren Trip erzählten. So sammelt man schnell Ideen für potentielle Reiserouten. Da Vietnam ein schmales, langes Land ist bietet es sich an, entweder vom Süden nach Norden oder andersrum zu reisen. Von einer besonderen Speise schwärmen alle: Banh Mi. Ein Sandwich, normalerweise gefüllt mit verschiedenen Fleischsorten. Aber auch die vegetarische Option mit Avocado z.B. ist super lecker und der von nun an der tägliche Snack, da man den Stand an jeder Straßenecke findet.

Sandwich, Toilettenschilder und Nudelsuppe in Vietnamese-Style

In Ho Chi Minh waren wir dann im Museum, das den Krieg in Bildern nachstellt, sind zu den Cu Chi Tunneln gefahren (Tunnelnetzwerk der Vietnamsoldaten) und mussten die ganze Geschichte erstmal verdauen. Ich bin mir sicher dass man noch viel mehr  in Ho Chi Minh machen kann, aber ich bin froh, wenn ich eine Stadt schnell hinter mir lassen kann. Ein paar Tage Troubel reichen und ich habe mich entschieden, Mui Ne zu meinen nächsten Stop zu machen. Der kleine Küstenort ein paar Stunden nördlich sei der perfekte Ort, um das Kite Surfen auszuprobieren. Leider wurde ich von einem Virus überrascht, der meinen ganzen Körper mit Ausschlag bedeckte und anstelle von Surfstunden hieß es Hängematte für mich. Nach ein paar Tagen wurde es aber besser und ich besuchte die Sanddünen und eine russische Yogastunde. Eines meiner Lieblingsdinge ist es, ein örtliches Yogastudio zu finden und zu sehen und neue Lehrer kennenzulernen.  Mui Ne ist von vielen Russen besiedelt und auch wenn ich letztendlich nicht viel dort gemacht habe hat es mir sehr gefallen.

Mui Ne bekannt für windiges Wetter und Sanddünen und russische Resorts

 

Kitesurf Unterricht auf Hessisch? Na das ist doch mal was

Mein bisheriges Highlight war bis jetzt aber in Da Lat, einem Ort im Landinneren. Es ist höher gelegen und somit viel kühler, endlich zahlt es sich aus, dass ich meine langen Hosen und den Pulli mitschleppe! Von anderen Reisenden wurde uns empfohlen, "Mr. Rot`s Secret Tour" zu buchen. So richtig konnte uns keiner erklären, was man denn da macht und auch im Internet gab es wenig Auskunft. Im Bus hatte ich vorher noch 2 andere deutsche Mädels, Jette und Eva,  getroffen und zufällig hatten wir das gleiche Hostel gebucht. Zusammen mit dem Engländer haben wir dann ahnunglos die Tour für den nächsten Tag gebucht. Wir waren letztendlich 11 Leute und um jetzt nicht ins kleinste Detail zu gehen probiere ich den Tag mal im Schnelldurchlauf zu beschreiben:

Die erste Hälfte der Tour wurden wir von einer wirklich verrückten, witzigen Vietnamesin namens Son zu verschiedenen Orten gebracht. Dazu zählten eine Insektenfarm (man konnte auch probieren, ich habe mich am Reiswhiskey bedient haha), einer Seidenfabrik (Einblick, wie Seide tatsächlich hergestellt wird), einer Kaffeeplantage und ein lokaler Markt. Son hat uns außerdem den "Kopi Luwak" Kaffee vorgestellt. Kurz erklärt handelt es sich dabei um Kaffee, der aus Katzenkacke bzw den ausgeschiedenen Bohnen hergestellt wird. Keine Ahnung wie ich das hier erklären soll, googelt das sonst mal haha. Hat besser geschmeckt als man denkt! Soweit war aber noch nichts "Geheimes" an der Tour, die Orte konnte ja jeder besuchen!


Nach dem Mittagessen fing dann das eigentliche Highlight an, Mr. Rot hat uns persönlich abgeholt und uns erklärt, dass in Vietnam außerhalb der Städte sogenannte "Highlanders" wohnen, die eine andere Sprache sprechen. Er selber ist in einem kleinen Dorf aufgewachsen und spricht die Sprache. Er wollte uns also mit in eines der Dörfer nehmen, wo sonst wirklich keine Touristen hinkommen. Und warum Secret? Naja, so richtig legal ist es wohl nicht, Touristen in die unberührten Straßen Vietnams zu bringen. Aber Mr. Rot´s Intention scheint, als wolle er die zwei Kulturen einander vorstellen.

Es ist jetzt schon mein 3. Anlauf zu beschreiben, was wir letztendlich gesehen haben, aber so es fällt mir schwer, es in Worte zu packen. Ich probiere es trotzdem; Wir haben ein paar Einwohner getroffen und trotz Mr. Rot´s Bitten wollten sie uns nicht ins Haus lassen. Kann ich aber auch verstehen, warum sollten sie eine Gruppe fremder Touris in ihre kleinen 4 Wände einladen? Letztendlich trafen wir aber eine ältere Frau, die am Straßenrand Laub fegte und nach viel Überredung von Mr. Rot´s Seite und einem Blick in unsere 11 hoffnungsvollen, lächelnden Gesichter nahm sie uns mit in ihr Zuhause. Sie entschuldigte sich, dass es "etwas unordentlich" sei und führte uns in eine kleine dunkle Scheune, wo wir uns auf einer Holzbank niederließen. Ein paar Töpfe hingen an der Wand, es gab einen kleine Tisch aber das war es dann auch. Das Wort ging schnell rum, dass eine Gruppe Touristen im Dorf sei und in kürzester Zeit war die kleine Scheune gefüllt mit Locals, die uns neugierig anstarrten. Mr. Rot diente als Übersetzter und wir konnten ihnen Fragen stellen. Es war einfach wirklich unglaublich zu sehen, wie diese Leute leben. Im Gegensatz zur Stadt haben im Dorf die Frauen das Sagen, allerdings muss man sich einen Ehemann kaufen ( "günstiger" Ehemann, der oft trinkt und raucht und generell nicht als gesund gilt kostet nur $500, ein teurer Ehemann kann bis zu $1000 kosten, oft bezahlt in Form von Vieh/Gegenständen).  Eine Frau hat uns ein Lied vorgesungen und drei andere haben uns einen traditionellen Tanz gezeigt. Auch das Verhalten ist ganz anders, man zerrt einander am Arm wenn man ihn/sie zu etwas auffordert und sobald Mr. Rot eine Frage in ihre Sprache übersetzt hat haben alle gleichzeitig geantwortet (bzw geschrien haha). Ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll, es war einfach eines meiner bisherigen Highlights hier in Asien! Ich habe auch keine Bilder gemacht, die Erinnerung bleibt im Herzen. Eine Frage war, ob die Highlander irgendwelche Hoffnungen & Träume haben. Die Antwort war einfach und eindeutig: Gesundheit und genug Essen und Trinken für sich und die Familie.

Seidenfabrik / Local Market

Mit einem weiteren Regentag ging die Zeit in Da Lat zuende und wir entschieden uns, weiterzureisen. Mit einem Nachtbus ging es dann nördlich nach Hoi An. Nachtbusse sind wirklich praktisch ,weil man kein Tageslicht verschwendet und sich das Geld für eine Übernachtung sozusagen spart. Allerdings ist es auch nicht wirklich bequem und viel Schlaf kriegt man Dank des ständigen Hupens auch nicht.

Hoi An ist eine wirklich schöne Stadt, zwar touristisch, aber aus gutem Grund. Hier kann man sich günstig Klamotten schneidern lassen, eine Laterne auf dem Fluss anzünden und  durch die schmalen Gassen der Altstadt schlendern. Zusammen mit Jette, Eva und Ieuan haben wir auch eine Bootstour durch Watercoconut trees gemacht. 

Für mich ist fast Halbzeit in Vietnam, das Visum gilt nur für einen Monat. Bis zum 19. habe ich also noch Zeit, das Land zu erkunden und dann geht es für mich tatsächlich auf die Phillipinen!

Mit ein paar anderen Reisenden aus Laos und Thailand habe ich mich zusammen geschlossen und wir haben für die Feiertage ein Airbnb auf der Insel Palawan gebucht! Ich freue mich riesig, auch wenn Weihnachten sich warscheinlich nicht wie Weihnachten anfühlen wird!  Wie es nach den Phillipinen weitergeht weiß ich noch nicht, aber die zweite Hälfte Südostasiens wartet ja noch auf mich! Ich hoffe ihr genießt die Vorweihnachtszeit auf Weihanchtsmärkten mit nicht zu viel Stress und verbringt die Feiertage mit der Familie. Ich werde euch aufjeden Fall vermissen!

Liebe Grüße, 

Maike

Von Heißluftballonfahrten und Kälbergeburten

Donnerstag, 07.11.2019

Wenn ich an Thailand denke kommen mir Strände und Palmen als erstes in den Sinn, Kambodscha soll tolle Tempel haben und Vietnam begeistert einfach mit Landschaft und Leuten. Aber Laos? Von diesem Land hatte ich keine wirkliche  Vorstellung, zu wenig habe ich darüber gehört. Da es im Osten an Thailand  und südlich an Kambodscha grenzt bot es sich aber an, das Land zu erkunden und jetzt, 3 Wochen später, bin ich total begeistert. 

Um nach Laos zu kommen mussten wir noch ein Stück weiter östlich fahren. Unser (vorerst) letztes Zielin Thailand war die Stadt Chiang Rai, welche außergewöhnliche Tempel verspricht. Ich muss sagen, dass nach einer Zeit die meisten Tempel irgendwie oft gleich aussehen, aber diese waren wirklich cool:

Weißer Tempel 

Blauer Tempel (erkennt ihr mich?):

Immer noch im 4rer Pack haben Anna, Alex, Nick und ich uns entschieden den abenteuerlichen Weg von der Grenze Laos bis ins Landinnere zu nehmen. 2 Tage verbrachten wir mit dem "Slowboat" auf dem Mekong River und wie der Name schon sagt war es ein wirklich, wirklich langsames Boot. Die Einheimischen nutzen diese Art des Transports für alles Mögliche, sie nehmen Tiere, Motorräder, Reissäcke etc. mit und kommen so von A nach B. Angeblich ist es Laos "beliebtester" Highway. An beiden Tagen haben wir ca. 8h auf dem Boot verbracht, nur zur Übernachtung hielten wir in dem kleinen Ort Pakbeng.

8h klingt viel, aber letztendlich ging die Zeit doch schneller rum als gedacht. Wir hatten Glück und eine Gruppe von Backpackern saß mit uns in dem "offenen" Abteil, man kam schnell ins Gespräch und wir haben alle möglichen Kartenspiele gespielt, uns über unsere bisherigen Reisen ausgetauscht und irgendwann kam der Co-Kapitän mit einer Runde Whiskey vorbei ( die erste von vielen weiteren haha). 

Grenzübergang Thailand-Laos: lange Schlangen, viel Verwirrung, aber irgendwie klappt`s doch

Letztendlich waren wir am Ende doch froh, wieder festen Grund unter den Füßen zu haben und machten uns mit dem TukTuk auf den Weg in die Innenstadt nach Luang Prabang. Als ersten richtigen Eindruck bleibt mir leider doch das Bild von sehr vermüllten Straßen. Am Anfang dachte ich noch es sei nur in dieser Stadt so extrem, aber auch an anderen Orten sieht man überall den Müll am Straßenrand rumliegen.. Der Kontrast dazu war der wunderschöne Wasserfall im nahegelegenen Nationalpark, den wir am nächsten Tag besuchten. So blaues Wasser habe ich sonst nur in Kanada gesehen..

Wie auch in den meisten anderen Städten gibt es einen Abendmarkt, auf dem Souvenirs, Essen und Kleidung verkauft wird. Während man in Thailand letztendlich immer die gleichen Produkte findet, war dieser Markt mehr von handgemachten Sachen geprägt. Das einzige, was ich ziemlich in jedem Ort als Erinnerung kaufe, ist eine Postkarte. Die passt trotz meines ganzen Gerödels aufjeden Fall noch rein. An Tagen, wo wir alle mal eine Pause vom Erkunden brauchen, suchen wir meistens nach einem gemütlichen Cafe. Hier veringen wir mehr oder weniger den ganzen Tag mit Lesen, Schreiben, Kartenspielen oder einem Nickerchen in den geliebten Hängematten. Das Cafe "Utopia" macht seinem Namen alle Ehre, direkt am Fluss gelegen ist es einfach, in einen der Sitzsäcke zu versinken. Es hat mich sogar motiviert, am nächsten Tag um halb 7 aufzustehen und zur dort stattfindenden Outdoor-Yoga Klasse zu gehen.

 

Mein bisheriges Highlight in Laos war aber unsere Zeit in Vang Vieng, einer kleineren Gegend 5h südlich von Luang Prabang. Hier konnte ich eines meiner Bucketlistziele abhaken, welches ich schon seit einer Ewigkeit hatte: Eine Rundfahrt mit dem Heißluftballon. Ich hatte keine Ahnung, dass man das hier machen kann, aber angeblich ist es auch eines der günstigsten Orte, um die Welt aus der Vogelperspektive zu erkunden ( ca. 90€). Ein bisschen mumlig war mir schon, die Sicherheitsstandarts sind hier einfach anders als zuhause und als unser Tuktuk-Fahrer uns mitten auf dem Fußballfeld einer Grundschule abgesetzt hat wurde ich nicht gerade entspannter. Es scheint immer noch eine Attraktion für die Locals hier zu sein, viele Kinder und auch Erwachsene kamen, um uns bei der Abfahrt zuzuwinken. Unser Kapitän schien selbstsicher. Die Fahrt war ca. 30 Minuten lang und hat sich soo gelohnt, Wahnsinn wie man so einen Ballon steuern kann nur mit Hilfe von Wind und Feuer ( was übrigens sehr heiß wird am Kopf haha).

Anna: "Maike look scared" Ich: "I am" hahah

 

Also so eine Fahrt kann ich jedem nur wärmstens empfehlen, es war wie Schweben..

Vang Vieng war auch der Ort, an dem wir 2 Tage in einem Partyhostel untergekommen sind und danach erstmal Pause brauchten. Es gibt hier wirklich komische happy hours: von 19-21 Uhr freien Whiskey oder Vodka (bestimmt nicht den Guten) und man kann sein eigenes Mischzeug mitbringen. Keine Ahnung wie die Bars hier Geld machen haha. Im Vergleich zu anderen Backpackern ist unsere Reisegruppe definitv entspannter, dass wir mal abends mal richtig gefeiert haben kam bis jetzt nur ein paar Mal vor. Es ist einfach zu schade, einen ganzen Tag damit zu verschwenden, verkatert zu sein und die Hitze hilft auch nicht unbedingt.. Ganz entgehen lassen kann man sich den Spaß aber auch nicht, meistens gibt es irgendwelche Feuershows oder man tanzt mit dem verrückten Koreanern zu ihrer Lieblingsmusik.

Wir sind dann also umgezogen in ein "normales" Hostel und es war die beste Entscheidung! Wir haben so viele coole Leute hier kennengelernt, sodass wir am Ende ganze 8 Tage in Vang Vieng verbracht haben. Von Wanderungen, Wasserfällen und "blue lagoons" gabe es hier genug, uns wurde nicht langweilig. Und dazu kam noch eine ganz spezielle Begegnung: Wir waren auf dem Weg zum Abendessen als plötzlich jemand von der anderen Straßenseite auf mich zugerannt kam. Ich konnte es kaum glauben, Garrison, mein Roommate aus Tofino in Kanada war hier! Ich wusste dass er irgendwo in Laos umherreiste, da er aber nicht wirklich social media hat konnte ich ihn nicht genau fragen wo. Naja, musste ich auch nicht, manchmal reicht ein Zufall. Er arbeitet hier in einer Bar und am nächsten Tag haben wir uns ein Buggy geliehen und er hat uns die Umgebung gezeigt.. 

Höhlen gibt es hier aufjeden Fall viele, ich bin zum ersten Mal in einer schwimmen gewesen! Ziemlich cool, und gruselig (wir hatten nur eine Handytaschenlampe und natürlich nur noch ein bisschen Akku, damit es nicht langweilig wird)

Ein Tag,der mir warscheinlich lange in Erinnerung bleibt, lief im Schnelldurchlauf wie folgt ab:

Alex und ich waren morgens beim Yoga, wo man danach umsont frühstücken und den Pool benutzen konnte. Für den Nachmittag liehen wir uns Roller, um die Wasserhöhle zu besuchen. Auf dem Weg dahin hatten wir perfektes timing, um die Geburt eines Kalbs zu erleben. Warte- was? Ja wirklich, Kühe laufen hier überall rum, egal ob auf der Straße oder der Wiese. Eine sich umherdrehende Kuh am Straßenrand weckte unsere Aufmerksamkeit. Wir hielten an und schon ging es los. Man war das aufregend und so schnell! Leider mussten wir gleich feststellen, dass die Kuh doch an einem Seil angebunden war und ihr Kalb knapp nicht erreichen konnte. Das konnte ich nicht mit ansehen und bin in die nahegelegene Straße gelaufen, wo ich auf ein paar Locals stoß. Mit Händen und Füßen probierte ich das Szenario einer Kälbergeburt nachzuspielen (ja,  ich frage mich auch warum sie mir tatsächlich gefolgt sind, ich sah warscheinlich zu verzweifelt aus). Schließlich folgten sie mir und kümmerten sich um die frischgebackene Mama und ihr Neugeborenens. Wow - das war schon cool. 200m weiter mit dem Scooter habe ich dann ausversehen einen kleinen Gecko überfahren. Ich fühlte mich schrecklich, gerade begann ein neues Leben und ich hatte eins beendet.. 

Jedenfalls kamen wir bei der Wasserhöhle an und liehen uns Reifen, mit denen wir die Höhle mit Hilfe eines Seils erkunden. Ein Sturm kam näher und wir schafften es gerade bis zu nächsten Blue Lagoon, bevor es anfing zu regnen. Um die Zeit zu überbrücken spielten wir Karten. Zwei Locals, die die Lagoon leiteten schauten uns zu und gerade als wir gehen wollten setzten sie sich neben uns und teilten die Karten aus. Nur durch das Beobachten und ohne jeglichen Erklärungen haben sie das Spiel verstanden, und wir haben für eine weitere Stunde mit ihnen gespielt (es war zwar ein einfaches Spiel, 31, für die die es kenne, aber trotzdem). Lao Leute sind so freundlich!!! Um den Tag noch abzurunden haben wir uns abends mit vielen Leuten einen Karaoke Raum gemietet (wusste gar nicht dass es sowas gibt haah). Letztendlich ist an diesem Tag nichts Außergewöhnliches passiert, aber es war trotzdem perfekt.

 

Auch nach dieser schönen Zeit wollten wir dann doch weiterreisen und es ging für uns nach Vientiane, Laos Hauptstadt. Zwar sei diese Stadt nicht zu aufregend, aber wie jede Hauptstadt gibt es gute Verbindungen in alle möglichen Richtungen. So war es auch praktisch für Alex, da ihr Rückflug näherrückte. Für sie geht die Zeit in Asien zuende, sie reist nach 3 Jahren Reisen und Arbeiten in der Welt zurück nach Schweden. Auch Nick verabschiedet sich in eine andere Richtung, er fliegt nach Nepal und Anna hatte im Rugby WM Fieber ein Ticket nach Japan gebucht, um England im Finale gegen Südafrika zu unterstützen (ja, das ging nicht so gut aus, aber immerhin war sie jetzt mal in Japan haha. Wir treffen uns für Weihnachten wieder, wohin es geht erzähle ich dann..)

Vientiane war letztendlich wirklich nicht aufregend, aber ich habe mich mit 3 anderen Backpackern zusammgeschlossen, um weiter südlich in dem Ort Thakek einen kleinen Rollerausflug zu machen. Die Landschaft war wirklich schön, mit noch mehr Höhlen und Wasserfällen und generell viel weniger Touristen. Das Rollerfahren macht schon Spaß, man hat zwar immer im Hinterkopf wie viele Leute sich verletzen, aber sobald man aus dem Verkehr raus ist hat man so viel Freiheit! Leider wurde ich etwas krank und habe mich entschieden, den Trip nicht weiterzufahren, da das Ziel eine noch verlassenere Gegend war und medizinsche Versorgung immer unzugänglicher wurde. Ja es war schade, aber letztendlich hatte ich die richtige Entscheidung getroffen. Ich glaube mein Körper brauchte einfach ein paar Tage Pause ( Dank Visabewerbungen und Bankformularitäten wurde mir aber trotzdem nicht langweilig..)

In der Hauptstadt hatten wir uns Fahrräder geliehen und gerade als wir nachhause aufbrechen wollten sahen wir ein Auto, was im Sand stecken geblieben ist.. Trotz des näherkommenden Sturms entschieden wir uns zu helfen und nach einer halben Stunde war das Auto frei.. und wir nass. Aber hey, das gibt ja bekanntlich gutes Karma oder?

Das einzige, wofür Thakhek bekannt ist: The Loop (berühmter Scooter-Roadtrip)

 

Gerade liege ich übrigens in einer Hängematte vor unserem kleinen Bungalow am Mekong River. Ich bin auf den "4000 Inseln" angekommen, mein letzter Halt bevor es nach Kambodscha geht. Ich hab mich die letzte Tage ein wenig gestresst, da ich von vielen anderen schon Horrorstorys bezüglich der Grenzüberquerung gehört habe. Von Scams über lange Warteschlangen bis verlorene Rucksäcke war alles dabei, also drückt mir die Daumen, dass alles gut geht. Letztendlich gehört halt auch das zum Reisen dazu und ich glaube im Vergleich zum Anfang bin ich aufjeden Fall schon entspannter geworden..

Achja, falls ihr euch fragt wie man hier längere Strecken von einem Ort zum anderen überwindet;  Meistens sind es einfache Busse oder Minivans, die bis zum letzten freien Fleck genutzt werden. Wenn wir nicht die teure "VIP" Busverbindung nehmen, reist man gequetscht neben anderen Touristen, Locals, Hühnern & Hasen (kein Scherz), Reissäcken und Wassercontainern durch das Land. Ab und zu steigen Verkäufer in den Bus, die uns Snacks andrehen wollen.. Wer kann zu so einem lecker aussehenden Fisch (denke ich mal dass es das ist?) schon nein sagen hahaha.. Da träume ich lieber von unseren Mahlzeiten in Pai, Thailand (was bis jetzt immer noch mein Lieblingsort zum Essen ist..)

Grober Überblick meiner bisherigen Reiseroute:

Also nach den letzten Wochen kann ich aufjeden Fall sagen, dass Laos ein tolles Land ist. Klar gilt nach wie vor "die Leute machen eine Ort aus", aber wenn dann auch noch die Umgebung stimmt kann man sich nicht beschweren :)

Ich hoffe in good old Germany ist alles i.O. und ihr freut euch auf den Glühwein.. Den werde ich sehr vermissen dieses Jahr!

Alles Liebe,

Maike

 

 

Über Umwege nachhause

Dienstag, 15.10.2019

Und dann stand ich da, am Flughafen in Vancouver mit meinem one-way ticket nach Bangkok. Ich kann das Gefühl nicht ganz beschreiben; Aufregung auf das, was nun kommt oder mehr Abschiedsschmerz, ein zweites Mal Kanada nach einem Jahr zu verlassen? Auf Wiedersehen zu sagen wird mir nie einfach fallem, vorallem zu Leuten, die mir über die letzten 12 Monate so ans Herz gewachsen sind. Die letzten Tage habe ich aber noch zwei Freunde besucht und ich hab sie zu ihren Vorlesungen an der Uni begleitet, was mir komischerweise eine kleine Vorfreude auf das vielleicht kommende Studentenleben bereitet hat.

Jessy und ich auf dem Okanagan Lake, die letzten warmen Tage bevor es in Kelowna kalt wurde..

Am Check-in Schalter gingen meine Gedanken zurück zum 18. Juli 2016, meine Gastfamilie und alle meiner Freunde haben mich zum Flughafen begleitet, um Tschüss zu sagen. 3 Jahre sind vergangen seit meines Schüleraustauschs doch diesmal war ich alleine mit meinem viel zu schweren Rucksack. Während ich in der Schlange stand, überkam mich doch das Gefühl der Nervosität. Ich hatte bis dahin noch gar nicht richtig Zeit gehabt, um über alle möglichen Szenarien, die in Asien passieren könnten, nachzudenken. Was, wenn ich doch besser hätte planen soll? Wie schlimm ist es, keine Tollwutimpfung zu haben? Warum habe ich es mir bis jetzt so einfach vorgestellt, weitere Monate in eine komplett andere Welt zu reisen? Meine Nervosität wurde nicht gerade besser, als ich in das gestresste Gesicht der Check-in Lady schaute. In einem kurzen Satz klärte sie mich auf, dass eine 50% Chance besteht, bei der Einreise in Bangkok abgelehnt zu werden. Grund dafür sei mein oneway ticket, was logischerweise keine Weiterreise vorweist. 

Windsor 2016, kurz vor Abflug zurück nach Deutschland...

Zugegeben, ich hatte keine Ahnung, dass ich einen Ausreiseflug brauche (soviel zur Planung..), ich wollte aber nicht einfach irgendwas buchen, da ich das Fliegen so gut es geht vermeide. Somit entschied ich mich für das Risiko, überlegte mir ein paar Überzeugungsgründe, warum sie mich trotzdem ins Land lassen sollten und akzeptierte die Situation. Ihr könnt euch vorstellen, dass der Flug doch nicht so entspannt war, wie ich gehofft hatte. 24 Stunden später kam ich übermüdet in Bangkok an, den Zettel mit meinem ausgedachten Reiseplan per Bus fest in der Hand. Je näher ich dem Immigrationoffice kam, desto angespannter wurde ich, warum sollte er extra für mich eine Ausnahme machen?

Die Sorgen waren unbegründet, der Offizier wollte nämlich weder einen Weiterflug noch sonst irgendwelche Informationen sehen. Stempel in den Reisepass und zack hatte ich das 30-Tage Visum. Von anderen Reisenden, die ich später traf, erfuhr ich aber, dass das wohl reine Glückssache war. Glück hin oder her - ich war super erleichtert und auch die Tatsache, dass mein Rucksack es beim Umstieg nicht ins zweite Flugzeug geschafft hat, konnte das nicht umstimmen. Alte Reiseweisheiten lehren einem ja, die Zahnbürste immer im Handgepäck mitzunehmen, und so ging es für mich raus ins schwüle und schon dunkle Bangkok. Jaja, die Hitze ist schon so ein Thema hier, manchmal Fluch, manchmal Segen. Während ich hier schreibe und alle um mich herum Mittagsschläfchen halten, ist mir auch schon wieder viel zu warm. So gut wie alle Hostels schalten die Klimaanlage tagsüber aus (was auch gut so ist, da man ja meistens unterwegs ist..) Nach gut 3 Wochen in der Hitze habe ich mich schon ein bisschen dran gewöhnt aber glaubt mir, ich würde so ein bisschen Herbstwetter gar nicht schlimm finden.. 

Zurück aber nach Bangkok; ich hatte ein nettes Hostel ziemlich downtown gebucht und war so froh, die Taxifahrt heile überlebt zu haben. Ich nenne den Verkehr hier organisiertes Chaos, überall Rollerfahrer (ohne Helm auf den Highways, ein Kind, manchmal zwei, manchmal Hunde) Tuktuks, Trucks mit Tieren, Busse und für mich sieht es aus als ob jeder fährt wie er will. Aber irgendwie funktioniert es und ich habe noch keinen einzigen Unfall gesehen..

Viele Reisende raten davon ab, Bangkok als erstes in Thailand zu erkunden, da es schon ein extremer Unterschied ist, aber ich konnte mich recht gut eingewöhnen. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich direkt an dem Abend noch die Menschen kennengelernt habe, mit denen ich jetzt auch noch reise. Ich bin mit zwei Engländern Nick & Anna, und einer Schwedin, Alex seitdem unterwegs. Wir alle hatten ähnliche Reisepläne und auch wenn wir in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen sind, haben wir uns von Anfang an gleich verstanden.

Nick & Anna aus England                                              

 

Alex aus Schweden

 

Ich kann Thailands Hauptstadt als Basecamp für meine Weiterreise beschreiben. Hier habe ich gelernt, wie man heile die Straße überquert, das Verhandeln mit Souvenirs/Kleidung geübt und meinen Magen auf das typische Streetfood vorbereitet. Glücklicherweise hatte ich bis heute noch keine Probleme mit dem Essen, das liegt vielleicht auch daran, dass ich ja auf Fleisch verzichte. Um ehrlich zu sein, so wie das Fleisch da den ganzen Tag in der Sonne liegt verstehe ich aber auch nicht, wie das überhaupt jemand freiwillig essen würde haha. Ansonsten muss ich sagen, das Essen ist einfach unglaublich gut, meine Favoriten bis jetzt: Mango Sticky Rice, Pad Thai, Papaya Salat, Green Curry. Ich wusste ja, dass Thailand günstig ist, aber dass ich für mein Abendessen meistens nur um die 2-3€ zahle und auch das Hostel nicht mehr als 5E/Nachr kostet ist schon echt Wahnsinn (vor allem verglichen zu Kanadischen Preisen..)

Eine Ausnahme war mein Cocktail auf Bangkok's größter Dachterasse. Da hat mein Getränk sage und schreibe 25€ gekostet, aber Alex und ich beschlossen, dass es die Aussicht wert ist.

Eines meiner Lieblingsmomente war, als ich meine thailändischen Freunde, die ich während meines Austauschs in Kanada kennengelernt habe, wiedertraf. Beide studieren in Bangkok und nahmen sich die Zeit, mir ihre Stadt aus der „Locals-perspective“ zu zeigen. Wir waren in einem Tempel und ich wurde das erste Mal von einem Monk „gesegnet“(?) und generell habe ich ein paar Ecken gesehen, die ich ohne Pao und Nune warhrscheinlich nicht gesehen hätte. Wieder ein Beweis, wie toll ein Auslandsjahr ist.. Die Freunde & Bekanntschaften hat man fürs Leben!

Außerdem habe ich mit Anna und einer anderen Reisenden einen Kochkurs besucht und wir haben im Haus einer Thailänderin 4 verschiedeneThaigerichte gekocht. Das war aufjeden Fall eine sehr coole Erfahrung. Wir haben über "airbnb tours" gebucht (guter Reisetipp übrigens, wenn man authentische und alternative Sachen unternehmen will)

 Neben unzähligen Tempeln und Tuktuks gibt’s in Bangkok noch etwas:  die Märkte. Darunter auch der größte in Thailand- Chatuchak Market. Eines Tages haben wir uns in das 25 Hektar große Chaos gewagt. Der eh schon schwere Rucksack hält mich auf jeden Fall davon ab, unnötiges Zeug zu kaufen, auch wenn es so einfach wäre. Das Bild (aus dem Internet) gibt euch mal so eine Idee, aber man muss das schon live gesehen haben.. Von Klamotten über Portemonnaies bis Möbel kann man hier wirklich alles findet. 

 Nach 4 Tagen Bangkok hatten wir dann aber genug  von der Stadt und entschieden uns mit dem Nachtbus ins 12h nördlichere Chiang Mai zu reisen. Hier blieben wir für ein paar Tage, besuchten einen Wasserpark, weitere Tempel und hatten eine Reunion mit vielen Leuten, die wir aus Bangkok kannten. Es ist schon witzig, wie viele Reisende man immer wieder trifft, von Bangkok gehen die meisten entweder nördlich oder südlich und früher oder später trifft man sich  anscheinend immer wieder. 

Womit ich immer noch kämpfe und was wahrscheinlich auch nicht einfacher wird zu verstehen, ist der Plastikverbrauch hier. Egal ob man nur eine Sache im 7/11 kauft („Supermarkt“ an jeder Straßenecke), sie wollen immer alles in eine Plastiktüte packen. Oder man sitzt IM Restaurant und bestellt einen Smoothie, der kommt natürlich im Plastikbecher mit Deckel und Strohhalm. Mittlerweile haben wir uns alle einen Metall oder Bambusstrohhalm geholt und fragen immer nach einem Glas, auch wenn die Thailänder uns immer ganz verwundert angucken. Ich habe eine Lifestrawflasche, die ich entweder an Automaten mit Wasser wieder auffüllen kann oder den Filter verwende. Wenn man also ein bisschen Aufwand auf sich nimmt kann man Plastik schon gut vermeiden.. Und dann geht man in den nächsten Tempel sieht die „Opfergaben“ und kann nur den Kopf schütteln... Religion und Glauben hin oder her, ich glaube den Göttern ist es egal, ob sie zu dem gegebenen Wasser echt einen Strohhalm brauchen.. Vielleicht ist meine Sicht aber auch bisschen zu naiv, ich weiß das viele Menschen hier andere Probleme haben als über sowas nachzudenken, trotzdem sticht es in meinem kleinen Öko-Herzen..

Plastikflaschen mit Strohhalmen als Opfergabe für die Götter

Manche Menschen machen das Beste draus, siehe alternative Pflanzenhänger

 Kreative Pflanzendeko in Chiang Mai

Es war zwar nicht auf meiner Bucketliste, trotzdem wurde ich überredet und besuchte einen internationalen Boxkampf in Chiang Mai. Mui Thai Boxing ist sehr berühmt hier und die Arena war gut besucht, wir haben 5 Kämpfe in verschiedenen Alters/Gewichtsklassen gesehen. Es war auch ganz unterhaltend, bis bei dem letzten Kampf ein 6(!) Jähriger K.O geboxt wurde... Da haben dann auch wir die Arena ein bisschen verstört verlassen..

Weiter ging es für uns in kleine Örtchen Pai, wo wir die bis jetzt längste Zeit verbracht haben. Wir hatten ein super schönes Hostel mit Pool und Pai erinnert mich sehr an Tofino in Thai-style. Berge, Reisfelder, wenig Verkehr und sehr zurückgelehnter Lebensstil. Hier haben Alex und ich das Rollerfahren gelernt (umstritten, ich weiß, aber früher oder später muss man es eh lernen, wenn man bestimmte Sachen sehen/machen will).

Pai fühlt sich fast an wie eine Oase und auch wenn wir relativ viel unternommen haben war ich nie wirklich erschöpft. Jeden Abend ging es zum Nachtmarkt und nach ein paar Tagen hatten wir schnell unsere Lieblings-Essensstände. Auch in Pai haben wir viele neue Leute kennengelernt und so ist unsere 4-er Gruppe manchmal zu 6. oder 10. unterwegs, manchmal haben wir uns getrennt. Da sind wir alle super flexibel. Ein highlight war auf jeden Fall das „Rivertubing“, was in Deutschland so aufgrund so vieler Umstände garantiert nicht legal gewesen wäre hahaha. Wir waren 13 Leute und nach 3 Stunden mit kurzer Pause haben wir es mit ein paar Kratzern und geplatzten Reifen aber alle heile zurück geschafft.. Ansonsten gefiel mir die Bambusbrücke in mitten von Reisfeldern noch sehr gut und wir sind in den Weiten des Grand Canyon verloren gegangen.

Mein Lieblingsgericht "Pad Thai" 

Außerdem hatte Pai hohen Besuch, die Prinzessin von Thailand war da. Auch wenn wir sie persönlich nicht gesehen haben spürten wir die Auswirkungen, Soldaten waren überall und da sie im Hotel gegenüber untergebracht war durften wir nicht mal unsere Wäsche draußen aufhängen oder zu bestimmten Zeiten die Straße überqueren... Da waren die Soldaten echt streng haha.

Ansonsten waren wir noch in den nahegelegenen Hotsprings, ich habe oft Yogastunden besucht und wir hatten unsere erste Thaimassage.. Ich lasse das mal so stehen, alle die schon mal eine bekommen haben wissen warum. Nächstes Mal betone ich das „back and neck only please“ haha.

Bei einem Nachtmarkt sind wir auf diese angebundenen Nashornkäfer gestoßen, uns wurde erklärt, dass sie später gegeneinander kämpfen und es große Preise für den Gewinner gibt... ? 

 Wir machen uns auf den Weg nach Chiang Rai, die nächste Stadt bevor wir weiter nach Laos reisen. Einen richtigen Plan haben wir nicht, wir buchen meistens nur eins/zwei Nächte, gucken wie es uns gefällt und bleiben entweder länger oder reisen weiter. Ich habe mich aber entschieden, erst mal nördlich zu bleiben und Laos, Kambodscha und Vietnam zu bereisen, bevor ich den Süden von Thailand und Indonesien erkunde. Aber wie gesagt, Pläne ändern sich immer.

Vielen Dank fürs Lesen und die Unterstützung, ich habe für mich auf jeden Fall die richtige Entscheidung getroffen, das Abenteuer Kanada noch ein bisschen zu erweitern. Falls ihr irgendwelche Empfehlungen und Tipps für Südostasien habt, lasst es mich gerne wissen!

Mal sehen, wo es mich noch hintreibt.

Alles Liebe

Maike

 

 

Wenn der Sommer zuende geht...

Mittwoch, 18.09.2019

... geht es für mich erst richtig los! Die letzten Tage fühlen sich an, als wäre es alles ein Traum gewesen und ich würde gleich aufwachen, mich für die Arbeit umziehen und eine weitere Schicht im Restaurant verbringen. Stattdessen sitze ich in Victoria, Hauptstadt von Vancouver Island, im gleichen Cafe wie damals vor 5 Monaten, bevor ich nach Tofino gegangen bin. Vielleicht kann ich es eher als Deja-vu bezeichnen, doch es ist so viel passiert in der Zwischenzeit. Ich habe nun endlich meinen Flug nach Thailand gebucht, am 25.09 geht es los, in einer Woche! Tofino zu verlassen war definitv keine einfache Entscheidung, aber ich wusste von Anfang an, dass ich nach Ablauf meines Arbeitsvisums nicht lange dort bleiben könnte. Dennoch hatte ich das beste "farewell" Wochenende, an dem ich alles, was ich in dem normalen Arbeitsalltag nicht geschafft habe, noch erlebte. Von einer 80`s party über ein open-air Konzert bis zum Whalewatching und Abschiedsdrinks war alles dabei und nach einer Woche Regen kam am Sonntag, an meinem letzten Tag in Tofino, die Sonne raus. Es hat definitv geholfen, dass meine gute Freundin Brooke, die bis Mitte August selber in Tofino gearbeitet hat, mich abgeholt hat und ich jetzt mit ihr in Victoria wohne bis zum Wochenende. Während sie in der Uni ist nutze ich die Zeit, alle Vorbereitungen für Südostasien zu treffen, die noch so anfallen. Zwar bin ich schon so lange auf Reisen, aber die "westliche Welt" habe ich noch nicht verlassen und Nervosität ist gerade auf dem gleichen Level wie die Vorfreude. Ein Freund aus Tofino sagt immer "no plans are the best plans" und viele, mit denen ich mich über Asien ausgetauscht habe, unterstützen dieses Motto. Doch irgendwo habe ich immer noch dieses Deutsche in mir, das Verlangen am liebsten alles durchgeplant zu haben, um bloß kein Risiko einzugehen. In Kanada befinde ich mich gerade im sogenannten "implied status", da ich den Visumwechsel von Arbeiter auf Besucher betragt habe, es jedoch noch nicht genehmigt wurde. Ich könnte also jeden Tag zu der Nachricht aufwachen, abgelehnt zu werden, und das Land verlassen zu müssen. Um diese Situation zu vermeiden geht mein Flug schon so bald, ansonsten würde ich am Liebsten noch länger hier bleiben. Bis Freitag bin ich also noch auf Vancouver Island und dann fahre ich noch für ein paar Tage in Kanadas berühmtestes Weingebiet, Okanagen Valley, in die Stadt Kelowna. Dort besuche ich eine weitere Freundin aus Tofino und genieße die letzten Tage, bevor es dann von Vancouver aus losgeht. 

Da der letzte Eintrag schon 2 Monate her ist möchte ich euch aufjeden Fall noch ein paar Bilder von meinem unglaublichen Sommer zeigen und mit ein paar Worten beschreiben, was er mir bedeutete:

 

Die Aussicht von meinem "Garten" werde ich aufjeden Fall vermissen, und auch wenn ich mich oft über die dreckige Küche oder den andauernd vollen Trockner beschwert habe, werde ich das Leben mit meinen 20 Mitbewohnern vermissen!

 

Cox Bay- Tofinos berühmtester Strand zum Surfen, hatte einen kleinen Wanderweg auf die Bergspitze, von der man den besten Ausblick für den Sonnenuntergang hat- und die waren oft spektakulär:

Oft sind wir auch zum Sunsetsurfen gefahren und gerade als Garrison und ich aus dem Wasser gekommen sind kam ein Fotograf auf uns zu und fragte, ob er ein paar Bilder von uns machen könnte, die er in einem Magazin veröffentlichen wollte. Ein paar Exemplare hat er mir schon geschickt und dieses ist mein Lieblingsbild:

 

Wenn ich es zum Winter vergleiche, finde ich Snowboarden lernen immer noch einfacher, als das Surfen. Aber dadurch, dass wir so oft gegangen sind bin ich aufjeden Fall viel vertrauter mit dem ganzen Ozean, und komme besser damit klar, von einer Welle verschlungen zu werden und unter Wasser nicht in Panik zu geraten. Und die Vorfreude steigt, das in Asien noch zu verbessern!!

 

Wenn die Wettervorhersagen für das Surfen etwas zu extrem sind ( wir hatten Tage wo es einfach zu gefährlich wäre, rauszupaddeln, da die Wellen so so groß sind), guckten wir gerne den Profis zu. Von außen sieht es so einfach aus, wie sie die Wellen reiten, aber wie gesagt- es ist alles andere als einfach!!

Wenn meine 3 besten Freunde Jessy, Sam, Nolan und ich es geschafft haben & zur gleichen Zeit frei hatten, sind wir oft einfach losgefahren zum Campen. Das ging eigentlich immer gut, bis wir eines Tages ausversehen auf ein Wespennest getreten sind und Jessy und ich wortwörtlich von diesen Biestern attackiert wurden. Ich hatte 6(!) Stiche an meinen Beinen und hatte in der Panik alles ausgezogen(nicht die klügste Idee aber okay..) Witzigerweise hat Jessy den Moment fotografisch festgehalten und ich konnte drüber lachen, als der Schmerz nachließ..

An meinem letzten Tag bin ich mit ein paar anderen Freunden noch whalewatching gegangen und wir haben mehrere Grauwale gesehen. Als "locals" kriegen wir die Tour fast für umsonst, was schon ein wirklich toller Vorteil ist. Leider habe ich nicht wirklich Bilder von den Walen gemacht, bei meinem Glück schmeiße ich das Handy noch über Board. 

 Hier noch ein paar Schnappschüsse von Bonfires, Brewery-Besuchen, Laternenfestivals und meinem letzten Arbeitstag mit meinen aller aller Liebsten Kollegen/Freunden:

Auf Wiedersehen zu sagen wird auch nach 100x tun nicht einfacher, aber ich beschreibe den Abschied als "bittersweet". Mit so viel Vorfreude auf das, was kommt und einer unendlichen to-do Liste füllt sich mein Alltag hier in Kanada und als Brooke gestern sagte "hey, you are technically homeless now" musste ich tatsächlich mehr lachen als weinen. Was eine aufregende Zeit.

Auch wenn diese Website hier ursprünglich meinem Leben in Kanada gewidmet war, werde ich euch so gut es geht von meinen Abenteuern in Südostasien berichten, ohne Schönreden. Falls ihr selber schon in der Gegend war freue ich mich über Empfehlungen, Tipps, Do´s & Don`ts. Ich fliege zunächst nach Bangkok und wie gesagt, vor Ort plane ich dann wie es weiter geht. Ich habe so grob 4-6 Monate angepeilt, je nachdem wie gut es mir gefällt und wie lange meine Ersparnisse reichen..

Ich hoffe in good old Germany ist alles okay und ihr genießt die letzten warmen Tage, ich sende euch so viel Sonneschein wie möglich und werde mir bestimmt das ein oder andere Mal wünschen, in einer kühleren Gegend zu sein.

Bis dahin alles alles Liebe

Maike

 

 

Neues vom Inselleben

Dienstag, 16.07.2019

Ich sitze gerade auf der Terasse meines Lieblingscafes "Darwins", die Sonne trocknet meine vom Surfen noch nassen Haare und die freilaufenden Hühner werden schon ungeduldig, weil sie wissen, dass es bald Zeit für die Abendration ist. Die Lehne meines Stuhls ist ein bisschen lose und der Tisch wackelt, aber im Cafe spielt jemand auf dem Klavier und ich habe noch die Hälfte meines unglaublich gutem Blueberry-Muffin übrig. Klingt kitschig, aber dieses kleine Plätzchen in mitten des botanischen Garten ist zu einem meiner Lieblingsorte in Tofino geworden. Nein nicht nur Tofino, warscheinlich sogar in der ganzen Welt.

Ich komme oft hier her, manchmal alleine zum Schreiben oder um mein Leben zu planen (haha), meistens aber mit Freunden, die diesen Ort genauso schätzen wie ich. Vor 2 1/2 Monaten bin ich bis ans Ende Kanadas gereist und wenn ich könnte, würde ich bleiben. Zugegeben, ich hätte diesen Eintrag schon viel früher schreiben können, denn mit all dem Geschehenen weiß ich jetzt gar nicht, wo ich anfangen soll. Die instabile Wlan Verbindung zuhause sowie die Tatsache, dass die Zeit hier schneller vergeht als normalerweise hat mich aber davon abgehalten. Aber jetzt bin ich hier, habe Zeit und Lust euch von allem zu erzählen und glücklicherweise ist einer meiner besten Freunde Sam leidenschaftlicher Fotograf und nimmt seine Kamera immer überall mit hin, sodass ich auch einige Bilder teilen kann.. 

Mal angefangen mit der Wohnsituation; ja, wir sind ca. 20 Leute auf kleinstem Raum mit einer(!) Küche und 2 Bädern wie man sie aus Schulzeiten kennt. Auch wenn der Abwasch nicht immer so gut klappt (Spülmaschine kenn ich gar nicht mehr) und die Wände so dünn sind, dass man das Schnarchen der Nachbarn hört, haben wir eine mega tolle Gruppe von Menschen. Überwiegend Engländer und Kanadier, was mein Englisch aufjeden Fall verbessert, aber auch einige Deutsche haben hier ihr Sommerzuhause gefunden. Viel Zeit verbringe ich hier aufgrund von Arbeit und Unternehmungen eigentlich nicht, aber wenn man will findet sich immer wer für ein Feierabendbierchen oder gemeinsames Mittagessen.  Manche meinen, seine Arbeitskollegen als Mitbewohner zu haben kann anstrengend sein, da das Hauptgespräch immer der Job sei, aber ich sehe die Sache anders. Meine Arbeitskollegen sind meine besten Freunde geworden und nun wohne ich mit ihnen zusammen. Die Arbeit an sich kann ziemlich anstrengend sein, aber an sich habe ich mich schnell dran gewöhnt und weiß, was meine Aufgaben sind. Es ist wirklich erstaunlich, wie viele deutsche Gäste es hier gibt. Ich persönlich habe von Tofino in Deutschland noch nie gehört, irgendeine Reiseagentur muss aber wirklich viel Werbung machen. Erst neulich habe ich eine Familie aus Isenbüttel bedient, so klein ist die Welt!

Zwar fängt die Frühschicht um 6.30 Uhr an, aber kann man auch gutes Frühstück kriegen!!

Das ist die Aussicht, die man von unserer Terrasse zuahuse hat, an einem Abend haben wir tatsächlich Orcas gesehen, nicht schlecht oder?! Und mein günstig erworbenes Surfboard, ein Schulpferd unter allen Boards (es wurde früher für Surflessons eingesetzt, ist mit seinen 7.6ft aber ein gutes Modell, um schnell Fortschritte zu machen). 

Surfen an sich ist definitiv meine Hauptaktivität hier, wir gehen quasi jeden Tag vor oder nach der Arbeit. Den Aufwand, welchen man für ein paar Sekunden Wellenreiten (wenn man es schafft) hat, ist eigentlich echt Wahnsinn. Boards aufs Autodach schnallen, je nach Vorhersage zu unterschiedlichen Stränden fahren um die Wellen zu checken, Wetsuits anziehen, surfen, wetsuits wieder ausziehen (was auch nach 100x machen nicht einfacher wird), zurückfahren, alles abspülen, duschen ETC. Jeder der aber schonmal surfen war wird mit zustimmen, dass es den Aufwand wert ist. Ich hab mittlerweile auch schon eine gute Bräune, leider nur im Gesicht und auf den Händen, aber so läuft hier jeder rum..

Ab und zu kann ich Hundesitter spielen und lange Strandspaziergänge machen. Ich vermisse es aufjeden Fall, einen Hund zuhause zu haben.. (ja , manche Sachen vermisse ich wirklich..)

Letzte Woche kam mich dann meine Freundin Yee aus Whistler besuchen. Unsere Freundschaft hat sich buchstäblich durch Kanada gezogen. Nach unserem Roadtrip in Nova Scotia kam sie mich im Skigebiet in Sun Peaks besuchen, dann sind Sassi und ich zu ihr nach Whistler gefahren und jetzt kam sie mit einer ihrer Freundinnen nach Tofino. Ich glaube als nächstes sehen wir uns in ihrem Zuhause Melbourne, Australien.

Ein weiterer Vorteil, Mitarbeiter des Tofino Resorts and Marina zu sein, sind die Boote, die man sich einfach leihen kann. Glücklicherweise haben einige meiner Freunde einen Bootsführerschein und wir können die Gegend vom Wasser aus erkunden.. 

Neulich hatten wir eine riesen Party mit so ziemlich allen saisonalen Mitarbeitern in Tofino. Das Thema war "Woodstock" (wie passend) und auch wenn es hier oft wolkig und nicht ganz so warm ist war das Wetter an dem Abend perfekt. Ich habe leider nicht so viele Bilder, aber die Party war gelungen und auch ein verlorenenes Portemonnaie konnte die Stimmung nicht ruinieren ( ich habe es tatsächlich am nächsten Morgen wiederbekommen und es war alles noch da! Sehr ehrliche Menschen hier, auch das Fahrrad schließe ich nie ab.. Bis jetzt ist noch nichts passiert haha)

Wie schon gesagt vergeht die Zeit hier einfach viel zu schnell und ich muss mir Gedanken um meine Weiterreise machen.. Für mich stand ja fest, dass ich die Uni nicht zum Wintersemester beginne, aber ich habe mich ziemlich sicher für eine Richtung entschieden zu haben. Physiotherapie dual ist gerade meine Entscheidung und war es nun für eine gewisse Weile. Ein Beruf, mit dem ich der Welt ein bisschen helfen kann und der mir vorallem die Tür zum internationalen Arbeitsmarkt öffnet. Denn auch wenn ich mein Zuhause liebe,so brauche ich doch die Option, aufbrechen zu können und ein neues Land zu erkunden. Mein kanadischen Arbeitsvisum läuft Anfang September ab und ich werde vermutlich mithilfe eines Touristenvisums noch ein paar Freunde in Kelowna und Banff besuchen bevor ich mich auf den langen Weg nach Südostasien machen. Dieses Vorhaben aufzuschreiben und zu veröffentlichen ist ein großer Schritt für mich, denn ich habe lange überlegt, ob ich es alleine nach Asien wagen soll. Aber meine Zeit ist jetzt und meine bisherigen Reiseerfahrungen bestätigen, dass es einfach ist, Travelbuddies zu finden und die Gegend gemeinsam zu erkunden. Wer weiß, wann ich nochmal die Chance bekomme, für so lange Zeit aufzubrechen und mit meinen guten Ersparnissen die Welt zu erkunden. 

Noch ein paar fun facts, die ich erst nach jetziger Reflektion für nennenswert empfinde;

- Ich bin mittlerweile Vegetarierin und muss sagen, dass ich Fleisch absolut nicht vermisse. Ich hatte es sowieso relativ wenig gegessen und da ich hier für mich selber einkaufe und koche habe ich mich für diesen Schritt entschieden (sowohl aus ethischen als auch ökologischen Gründen)

- da mein Handy für lange Zeit kaputt war und das Wlan sowieso so schlecht ist verwende ich mein Handy und Social Media viel weniger- was auch der Grund dafür ist, dass ich mich so selten melde.. Aber hey, es geht mir gut und ich auch wenn ich ewig zum Antworten brauche freue ich mich über jede von euren Nachrichten und Nachfragen

- Meine Haare und Augenbrauen sind durch das Salzwasser+Sonne noch blonder als vorher (fast schon weiß), sodass ich schon mehrere Male auf schwedisch angesprochen bzw verwechselt wurde

- auf dem Weg nachhause vom Einkaufen wurde ich von der Polizei angehalten, da ich kein Helm aufhatte, dies hier aber Pflicht ist und es mit $200 bestraft wird habe man kein Helm auf.. Ich konnte mich glücklicherweise irgendwie rausreden und habe das gesparte Geld erstmal für neue Surfschuhe und Eis ausgegeben..

Also mir geht es gut und ich hoffe ihr genießt euren Sommer. Ich muss jetzt packen, denn wir gehen jetzt spontan für ein paar Tage campen. Mal gucken, was der Norden von Vancouver Island so mit sich bringt.. Ich berichte euch beim nächsten Mal davon :)

Alles Liebe,
Maike

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